Täglich: Psalmverse und Bonhoeffer

Die Psalmen haben Dietrich Bonhoeffer viel bedeutet.
"Der Psalter ist die große Schule des Betens überhaupt. Je tiefer wir in die Psalmen wieder hinein wachsen, und je öfter wir selber gebetet haben, desto einfacher und reicher wird unser Gebet werden."
Quelle: Gemeinsames Leben/Das Gebetbuch der Bibel

Darum für jeden Tag ein paar Psalmverse und ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer. Sie wiederholen sich über die Monate und durch das Jahr. So können sie in uns in die Tiefe wachsen und sich entfalten. Diese Art von Wiederholungen ist nicht Langeweile, sondern wie ein Glockenschlag für die Seele.

Dienstag, 3. August
Groß ist der Herr und hoch zu rühmen

in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.
Schön ragt empor sein Gipfel,
daran sich freut die ganze Welt,
der Berg Zion fern im Norden, die Stadt des großen Königs.
Gott ist in ihren Palästen,
er ist bekannt als Schutz.
Ziehet um den Zion herum und umschreitet ihn,
zählt seine Türme;
habt gut acht auf seine Mauern, durchwandert seine Paläste,
dass ihr den Nachkommen davon erzählt:
Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig.
Er ist's, der uns führet.
Verse aus Psalm 48

"Gottes Gebot kann nicht zeit- und ortlos gefunden und gewusst, sondern nur in der Bindung an Ort und Zeit gehört werden. Gottes Gebot ist entweder bestimmt, klar, konkret bis ins Letzte oder es ist nicht Gottes Gebot. … Gottes in Jesus Christus geoffenbartes Gebot umfasst das Ganze des Lebens, Es bewacht nicht nur wie das Ethische die unüberschreitbaren Grenzen des Lebens, sondern es ist zugleich die Mitte und Fülle des Lebens. Es ist nicht nur Sollen, sondern auch Erlauben, es verbietet nicht nur, sondern es befreit zum echten Leben, es befreit zum unreflektierten Tun. Es unterbricht nicht nur den Lebensvorgang dort wo er sich verfehlt, sondern es begleitet und führt ihn, ohne dass das immer ins Bewusstsein erhoben werden müsste. Gottes Gebot wird zur täglichen göttlichen Führung unseres Lebens."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 2. August
Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört,
unsre Väter haben's uns erzählt,
was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.
Täglich rühmen wir uns Gottes
und preisen deinen Namen ewiglich.
Doch nun verstößt du uns
und lässt uns zuschanden werden.
Wach auf, Herr! Warum schläfst du?
Werde wach und verstoß uns nicht für immer!
Warum verbirgst du dein Antlitz,
vergissest unser Elend und unsre Drangsal?
Denn unsre Seele ist gebeugt zum Staube,
unser Leib klebt am Boden.
Mache dich auf, hilf uns
und erlöse uns um deiner Güte willen!
Verse aus Psalm 44

"Man muss damit rechnen, dass die meisten Menschen nur durch Erfahrungen am eigenen Leibe klug werden. So erklärt sich erstens die erstaunliche Unfähigkeit der meisten Menschen zu präventivem Handeln jeder Art – man glaubt eben selbst immer noch, um die Gefahr herumzukommen, bis es schließlich zu spät ist; zweitens die Stumpfheit gegenüber fremdem Leiden; proportional mit der wachsenden Angst vor der bedrohlichen Nähe des Unheils entsteht das Mitleid."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 1. August
Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir,
mein Leib verlangt nach dir
aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.
So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,
wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Güte ist besser als Leben;
meine Lippen preisen dich.
Das ist meines Herzens Freude und Wonne,
wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,
wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Verse aus Psalm 63

"Was ist unser Leben?
Alles, was wir sehen, greifen, hören, schmecken, fühlen; alles, was uns umgibt, was wir besitzen, woran wir gewöhnt sind, was wir lieben. Was ist Gottes Güte? Jedenfalls alles, was wir nicht sehen, nicht greifen, nicht begreifen, ja fast nicht glauben können; etwas, was wir jedenfalls nicht besitzen, etwas ganz Unwahrscheinliches, Jenseitiges, über und hinter allem Geschehen Stehendes und doch so nah und ernst uns Anregendes. Wer möchte wagen, da frei zu wählen? Gott selbst erkämpft sich den Sieg, und wie etwas menschlich Unmögliches hören wir es nur von den Lippen des Psalmisten: Gott, du bist mein Gott. Deine Güte ist besser denn Leben."
Dietrich Bonhoeffer